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Spatial-Humanities-Workshop mit den "Relationen im Raum"

30.01.2015 von Felix Lange in Tagungen & Workshops

Das Arbeitstreffen wurde vom eHumanities-Projekt „Relationen im Raum“ initiiert und vom 28. bis 29. Januar vom Essener Steinheim Institut für deutsch-jüdische Geschichte als RiR-Projektpartner in Essen veranstaltet.

http://www.steinheim-institut.de/wiki/index.php/Hauptseite
Das Logo zum Workshop
Gruppenbild IBR RiR Workshop
Die aktiven Mitglieder des Workshops von RiR, IBR und dem Akademienprojekt "Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya"

Das Programm begann mit einer Einführung zu den geisteswissenschaftlichen Fragestellungen. Frithjof Schwartz stellte für IBR neue Forschungsergebnisse zu Funktion und Lokalisierung von aus dem ursprünglichen Kontext gerissenen Ausstattungsstücken vor, die vielschichtige Bezüge im Raum aufweisen.

Thematischer Mittelpunkt Veranstaltung war eine Fallstudie zum Jüdischen Gedenkfriedhof in Mainz. Der Friedhof ist bereits in einem früheren Studierendenprojekt der Hochschule durch terrestrisches Laserscanning aufgenommen worden. Eine Punktwolke stand daher zu unserer Bearbeitung zur Verfügung. Die auf den Grabsteinen befindlichen Texte wiederum sind vom Steinheim Institut ediert und als REST-verfügbare TEI-XML-Dokumente in das Corpus des Steinheim-Instituts überführt worden. Ein idealer Testfall also für die Generizität und Interoperabilität von RiR und IBR!

Die bestehende Punktwolke wurde vor dem Workshop in den GenericViewer geladen. Die Nutzung dieses Erfassungsinstruments machte im Abgleich mit vorhandenen Fotolisten der Landesdenkmalpflege die Identifizierung der Grabsteine möglich. Mit Hilfe des Transformationstools XTriples kamen die Verknüpfungen von Punktwolkengeometrien mit Epidat-Dokumenten im RDF-Format in den IBR-TripleStore. Im Workshop ging es nun darum, wie sich diese Informationen nutzen lassen, um fachliche Fragen nach der Anordnung der in den 1920er Jahren von dem damaligen Mainzer Rabbi Salomon Levi aufgestellten Steine zu beantworten: Handelt es sich um eine zufällige Reihung oder steckt dahinter ein Muster, etwa eine Anlehnung an religiöse Vorschriften bzw. historisches Brauchtum? Da ein Teil der sich im Gelände befindenden mittelalterlichen Grabmäler noch in situ ist, stellt sich zudem die Frage nach Zusammenhängen der Aufstellung der 20er Jahre mit bereits vorgefundenden Strukturen. Neben verschiedenen Analysen im GenericViewer erschien es sinnvoll, eine Projektion auf zweidimensionale SVG-Grafiken vorzunehmen, die dann in dem von Martin Warnke vertretenen Softwaretool Hyperimage oder in den RiR-Anwendungen weiter betrachtet werden kann. Mit letzteren können etwa XML-kodierte Eigenschaften, wie Geschlecht oder Alter abgefragt und auf den Lageplan projiziert werden; ganz ähnlich, wie dies bereits im GenericViewer im dreidimensionalen Raum möglich ist. So ergibt sich am Ende eine Werkzeug- und Prozesskette, die von präzisen Messdaten über die Überführung in XML, RDF und andere Formate in funktionsreiche 2- oder 3-dreidimensional darstellende Editoren reicht. Interoperabilität und Generzität von Tools und Datenmodellen sind Bedingungen hierfür, die im Workshop erfolgreich getestet wurden.

Zu Fragen der Arbeitsteilung zwischen Fachwissenschaftlern und Technikern bestand grundsätzlich Einigkeit, dass XML die „Eintrittskarte“ in die digitale Datenverarbeitung ist. Konkrete Datenmodelle und -bestände, deren Modellierung allein dem Geisteswissenschaftler obliegt, können je nach Projektziel von Informatikern in die unterschiedlichsten Datenbanksysteme überführt werden. Ein Beispiel gab Peter Gietz (Geschäftsführer von DAASI) mit dem in Epidat verwendeten LDAP, das sich ideal für baumartige Datenstrukturen eignet. Dass XML geradezu eine "Ermächtigung" (Martin Warnke) für Nichtprogrammierer darstellt, wurde auch an einem Beispiel aus der Visualisierung deutlich: Die Bauforscher von der TU Berlin, vertreten von Tobias Rütenik, nutzen Baubeschreibungen mit Koordinaten im XML-Format, um daraus durch Transformationen SVG-Lagepläne zu erstellen. Dies bot auch Anlass, um mit den Mainzer Geoinformatikern um Fredie Kern die Frage zu erörtern, welches Maß an Präzision von derartigen Plänen für geisteswissenschaftliche Zwecke gefordert werden sollte.

Für solche und andere Abfrageanalysen gilt: Je mehr fachrelevante Eigenschaften den betreffenden Geodaten zugeordnet werden können, umso besser. In diesem Zusammenhang lässt sich das auf dem Workshop vorgestellte Pundit-Plugin des GenericViewers einsetzen. Mit diesen und anderen Tools sollen nun im Nachgang weitere Anordnungsmuster durch semantisch angereicherte Lagepläne aufgespürt werden. Wir sind glücklich, in der spannenden Arbeit des Steinheim-Instituts einen ersten externen Anwendungsfall für unsere Softwareumgebung gefunden zu haben.