Archivregesten zur Liebfrauenkirche

Zusammengestellt von Winfried Monschauer


Im Rahmen der Referenzstudie wurden von unserem Projektmitarbeiter Dr. Winfried Monschauer archivalische Quellen recherchiert, die hier als Regest abrufbar sind. Die gefundenen Dokumente beinhalten Hinweise zu einer Neuinterpretation verschiedener Ausstattungsstücke.


1845 Juni 30

Bericht von Kreisbaumeister Stratmann: Nur Steine, worauf die Schriften, Wappen, etc. noch erkennbar sind, seien an den inneren Seitenwänden des Kreuzgangs aufgestellt worden. 28 Grabsteine, worauf die Schriften abgenutzt und unkenntlich sind, seien zum Plätten des Kreuzgangs und anderer kirchlicher Bedürfnisse benutzt worden. Sieben nach Befinden gut erhaltene Grab- und Altarsteine seien in der Michaelskapelle aufbewahrt worden. (LHAK Best. 441 Nr. 15259); --> Restaurierung

1843 Nov. 13/Dez. 18

Sitzungsbericht des Stadtrats/Kirchenrats zu Oberwesel: Der Dechant von Liebfrauen, Baumeister Stratmann und der Bürgermeister von Oberwesel werden die Monumente, Steine, etc bezeichnen, welche erhalten und welche versteigert oder für andere Gemeindezwecke aufbewahrt werden sollen. Der große Teil der Grabsteine, Monumente und  Gemälde sind sicher aufbewahrt oder an passender Stelle angebracht; die übrigen blauen Platten wird die Gemeinde zweckmäßig verwenden. (LHAK Best. 441 Nr. 15259); --> Restaurierung.

1843 Okt. 20

Wenn von den alten Monumenten, Gemälden, alten Altären, Grabsteinen usw. etwas nicht an einer passenden Stelle sondern verwüstet oder vernichtet werden soll, so erwartet die Königliche Regierung zu Berlin eine vorläufige Anzeige mit der Angabe von Gründen. (LHAK Best. 631 Nr. 277); --> Restaurierung

1842 Dez. 29

Bis Mitte März 1843 Abbruch und Abtransport der alten Kirchenstühle, Altäre, Kommunionbänke, Kanzel, der Orgelbrüstung des alten Pflasters, der Stufen und der „Leichensteine“. (LHAK Best. 631 Nr. 277); --> Restaurierung

1842 Feb. 14

Der Erläuterungsbericht der Königlichen Regierung zu Berlin spricht vom Mutwillen der Steinmetze, zerbrochenen Stürzen der beiden Hauptportale, von der Zertrümmerung eines mit einer durchbrochenen Rose gezierten Spitzbogenfensters. (LHAK Best. 631 Nr. 277); --> Restaurierung

1838

Maßnahmen zur Restaurierung der Liebfrauenkirche:
* Schaffung eines neuen Pflasters im Hauptschiff und in den Nebenschiffen sowie eines Bretterbodens unter den Kirchenstühlen.
* der innere Verputz der Mauern und das Gewölbe der Kirche wie des Kreuzgangs ist abzufärben, inklusive der Pfeiler, der Rippen des Lettners und anderer Ornamente.
* Versetzung der Kanzel, Abbruch mehrerer Altäre und zugehöriger Ornamente.
(LHAK Best. 63 Nr. 277); -->Restaurierung

1740 Nov.

Der Kanoniker Franz Reiffenberg lässt in  Liebfrauen einen neuen Altar in der Nähe des Muttergottesaltars errichten und gibt dazu noch drei leinene Tücher. Das Dach des Teils des Kreuzganges zu Liebfrauen, woran der Bogen fehlt, wird auf Kosten der Kirchenfabrik neu gemacht. Auch der Fußboden wird besser geebnet, wobei die Pfarrgenossen die Handdienste leisten. (Stadtchronik Oberwesel); --> Altäre.

1641

Der Kirchenfabrik von Liebfrauen zu Oberwesel stehen Gebühren von Begräbnissen in der Kirche zu; ausgenommen sind jene Personen, die ein Grabrecht in der Kirche besitzen. Von einem Grab im Kreuzgang erhält die Kirchenfabrik 2 Gulden, beim Begräbnis eines Dekans 6 Gulden, beim Begräbnis eines Kanonikers 3 Gulden, vom Läuten der großen Glocke bei Begräbnissen einen halben Gulden (früher einen Gulden).  Der Kirchenfabrik zugeordnet ist das Glockenamt samt den Einkünften der diesem Amt inkorporierten Vikarie der Elftausend Jungfrauen. Der Glöckner hat das Recht auf ein Grab auf dem Friedhof. (LHAK Best. 153 Nr. 101 S. 229-237); --> Begräbnisrecht zu Liebfrauen.

1632 Okt. 25

Peter Schure, Bürger von Oberwesel, stiftet 20 Reichstaler für das Ornat an zwei Altären. Der eine für den Hohen Altar auf der rechten Seite des Eingangs, der andere bei der Kanzel, der vom gemeinen Volk so genannter Dellhofener Altar, für Unser Lieben Frauen-Bildnis in derselben Kirche (BATr Best. 71,129 Nr. 204-209). --> Altäre

1631 April 2

Michael Stahl ist Besitzer eines Weingartens in Kaub (LHAK Best. 151 Nr. 26); --> DI 60, Nr. 356.

1582 Okt. 16 – 1600 Aug. 22

Eberhard Weimann, Vater von Hans Wendel Weimann, war Gerichtsschreiber zu Oberwesel. (LHAK Best. 1 C 41 S. 57; LHAK Best. 1 C 45 S. 66); --> DI 60, Nr. 252.

1587 Mai 20

Schultheiß und Schöffen des Gerichts zu Oberwesel beurkunden den am 17. Sept. 1582 geschehenen Verkauf eines Hauses in der Zehnergasse von Oberwesel durch Klaus Tachen, Schöffe zu Oberwesel und die durch Bezahlung des Kaufpreises geschehene Einsetzung des Nikolaus Pletz in den Besitz des Hauses durch Petronella, Witwe des Claus Tachen und ihren Sohn Laurentius Tachen. (LHAK Best. 1 A Nr. 11125); --> DI 60, Nr. 231

1575

Maternus Schragen, Schöffe zu Oberwesel (LHAK Best. FA 216 Pfarrarchiv Perscheid Nr. 36/37); --> DI 60, Nr. 287

1574 Dez. 21

Hieronymus Becker und seine Frau Agatha, Bürger zu Oberwesel, verkaufen ihre Mahlmühle mit dem Wohnhaus und Zubehör an das Allerheiligenkloster zu Oberwesel für 800 Gulden. (LHAK Best. 151 Nr. 117); --> DI 60, Nr. 257.

1568 Sept. 15

Die Eheleute Nicolaus und Katharina Pletz; Bürger zu Oberwesel, verkaufen für 160 fl. dem Pfalzgrafen Friedrich einen benannten Weinzehnten in der Gemarkung von Kaub. (Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Best. 120 Nr. 135); --> DI 60,  231.

1563 Aug. 15

Nicolaus Pletz ist Schöffe von Oberwesel (LHAK Best. 153 Nr. 67); --> DI 60, Nr. 231.

1515 Sept. 12

Goar Bacharach, Lutterhens Enkel, verkauft dem Kanoniker zu Liebfrauen in Oberwesel, Johann Drieych, einen jährlichen Zins von 2 Gulden für die Summe von 40 Gulden zur Dotierung einer  Jahresmesse für Petrus Lutern in der Kapelle auf der Burg Schönburg. (BATr Best. 71,129 N. 151); --> DI 60, Nr. 159.

1543 April 14

Der Trierer Erzbischof Johann Ludwig von Hagen (1540-1547) schenkt dem Oberweseler Schultheißen Nikolaus Lorbächer den Felsen oder Nack samt dem Werdt im Reyn, under dem Wißborn under unserer Stadt Wesel gelegen (Tauberwerth) als erbliches Eigentum wegen treuer und fleißiger Dienste, die er ihm und seinen Vorfahren, den Erzbischöfen Richard von Greiffenklau zu Vollrads (1511-1531) und Johann III. von Metzenhausen (1531-1540) erwiesen hat; (Oberweseler Stadtchronik); --> DI 60, Nr. 129 †       Fragment einer Inschrift 15. Jh.

Um 1515

Das Kapitel von Liebfrauen zu Oberwesel kommt mit dem Glaser Adam überein, die Fenster von ihm reinigen, ausbessern und, wenn nötig, neue einsetzen zu lassen und zwar – mit Ausnahme des Fensters über dem St. Walpurgis-Altar – das neben der Rose unter den Glocken und das über dem St. Nikolaus-Altar (nördl. Nebenchor), (Bistumsarchiv Trier (BATr) Best. 71.129 Nr. 220); --> Altäre

1513 Sept. 28

Vertrag über den Beitrag der von der Gemeinen Präsenz von Liebfrauen zu entrichtenden Bedezahlung, als man die Güter der Gemeinden geschätzt hat. Die vom Rat der Stadt Oberwesel bestimmten Personen Johannes Germersheim, Johannes Bacharach, Leonard Stegen und Henne Klockners sind der Meinung, dass die Geistlichen zu Oberwesel, die seit 1434 Mitbürger sind, auch die volle Last der Bede tragen sollen. Auf Vorschlag von Petrus Lutern, Kanoniker zu Liebfrauen und Propst von St. Martin/Oberwesel, gibt die gemeine Präsenz von Liebfrauen 8 Gulden bei der nächsten Schatzung. Aufgeschrieben von Valentin Schonangel, Kanoniker zu Liebfrauen und Stadtschreiber zu Oberwesel. (LHAK Best. 153 Nr. 102 S. 145-147); --> DI 60, Nr. 159 u. 177.

1513 Mai 4

Petrus Lutern, Kanoniker von Liebfrauen, stiftet zwei Messen zum Martha-Chor daselbst. (LHAK Best. 153 Nr. 102 S. 152/153)

1512

Meister Franz Faber von Meesbach hat für sich, seinen verstorbenen Bruder Nyclas, für seinen verstorbenen Vater Henne Schaden und Getze, seine verstorbene Mutter, sowie seinen Brüdern und Schwestern Laurenz, Stefan, Friedrich, Peter, Grete, Agnes, Barbara und ihren Kindern alljährlich vier Anniversarien mit Vigil, Seelmesse, Ministranten, Geläut und Zelebranten sowie 100 Messen an ledigen Tagen gestiftet. Auch soll der Priester nach jedem Anniversarium das nächste ankündigen, wofür er 160 Gulden stiftet. Jeden Samstag nach der Mette ist auf dem Kreuzaltar eine Messe de Passione Domini zu lesen mit vorgeläutetem Zeichen. Dafür hat Meister Franz der Gemeinen Präsenz von Liebfrauen weitere 120 Gulden gestiftet (LHAK Best. 153 Nr. 102 S. 116/117); --> DI 60, Nr. 241 † u. 242 †.

1511 Okt. 3

Petrus Lutern resigniert auf die Kustodie von Liebfrauen zu Oberwesel. (LHAK Best. 1 C 23 S. 151); --> DI 60, Nr. 159.

1511

Das alte „Gehuse ´Zu der Noet Gottes`“  auf dem Friedhof von Liebfrauen zu Oberwesel wird abgerissen und auf den alten Fundamenten ein neues Haus errichtet. Die Baukosten betragen rund 25 fl. (BATr Best. 71,129 Nr. 322)

Ende 16. Jh.

Franz und Nicolaus Klockenhencker haben ein erbliches Begräbnis mit zwei Steinen nebeneinanderliegend unter dem Glockenturm, das von den Erben Johann und Franz Schmidt in Auftrag gegeben wurde. Die Grabplatte war „mit dem bildtnuß eines gantzen mans nach alter dracht gehawen“ versehen. Über den beiden Steinen befand sich an einem Pfeiler eine vergoldete Tafel, ein Trptychon („ein Stuhl mit Dreiengefach“). Die Insignien der Brüder Franz und Niclas – ein Kleeblatt samt einem krummen Kreuz – befanden sich sowohl auf dem Altarretabel als auch auf den Grabsteinen. (LHAK Best. 153 Nr. 101 fol. 193); --> DI 60, Nr. 241 † u. 242†.

Um 1500

Der Bau (Liebfrauen) hat von dem Begräbnis einige oder deren welcher de iure in der Kirche kein Begräbnis hatte und doch in der Kirche begraben wird, fünf Gulden, in welcher Summe der halbe Gulden von dem Geläut nicht ist eingerechnet, sondern insbesondere bezahlt wird. Und haben die Erben dessen, welche auf dessen Gestalt in der Kirche begraben wird nach geschehenem Begräbnis zu dem selbigen Grab nichts weiter zu suchen, auch mit dem abgelegten Stein und Platz weiter nichts zu tun, sondern verbleibt der Stein samt dem Platz dem Bau, Dass aber die Namen und Insignien deren, welche also begraben worden, auf die Steine gehauen, ist solches den Erben allein. Den Ort des Begräbnisses zu erkennen und nicht einige dadurch zu suchen vergünstigt und zu tun zugelassen worden, sondern kann ein Baumeister, also bald er dienlich, einen anderen solchen Stein und Platz abermals verleihen, ohne einige Einrede der Erben dessen, welche weiterhin daselbst für solche fünf Gulden begraben worden. (LHAK Best. 153 Nr. 101); --> Begräbnisrecht in Liebfrauen

1496 Aug. 12

Erzbischof Johann von Trier verleiht Petrus Lutern die Kustodie von Liebfrauen zu Oberwesel (LHAK Klerikerkartei); → DI 60, Nr. 159

1496

Meister Tyllen hat das Gewölbe im Kreuzgang von Liebfrauen gemacht und ist ihm für die Arbeit  19 Gulden versprochen worden und darüber hinaus wird ihm ein Gulden  geschenkt. Dazu hat der Amtmann von Oberwesel, Junker Adam von Schönburg, ihm 1 Fuder Wein im Wert von 15 Gulden zu geben. Der Kanoniker Petrus Lutern steuert 6 fl. zum Gewölbe und 2 Tonnen verlesenen Kalk dazu (BATr Best. 71,29 Nr. 316). → siehe das Gewölbe und die Wappen im Kreuzgang.

1468-1482

Niclas Lorbecher d. J. ist kurtrierischer Kellner und Schultheiß zu Oberwesel. (Görz, Regesten der Erzbischöfe von Trier S. 227); → DI 60, Nr. 129†.

1456-1457

Nicolaus Lorbecher d. Ä. ist kurtrierischer Kellner und Schultheiß zu Oberwesel (Görz, Regesten der Erzbischöfe von Trier S. 203); → Ergänzung zum verschollenen Grabmal eines Trierer Erzbischofs (?) d. 15. Jhs, Fragment 1990 gefunden im Kreuzgang von Liebfrauen.,  siehe DI 60, Nr. 129†

1429

Der Altar der Marienvikarie von Liebfrauen Oberwesel steht im Pfarrchor (i.e. südl. Nebenchor), die Johannes-Vikarie gehört dem Pleban. (BATr Best. 71,129 Nr. 220 S. 3-35) →Altäre

1367/1368

Gertrud, Hausfrau des verstorbenen Johann Smydeburg von Schönburg und Rost, ihr Sohn, Ritter, bekennen, den Lombarden zu Oberwesel eine gewisse Summe schuldig zu sein. (1367 Jan. 5: LHAK 1 A Nr. 2828; 1368 Juli 11: LHAK Best. 1 A Nr. 2829/2830);
→ DI 60, Nr. 52 des Ritter Johann Schmidtburg von Schönburg auf Wesel und seine Frau Gertrud Marschall von Waldeck 1385. Ergänzung zur Datierung der Grabplatte und zur falschen Ansicht, das Paar sei kinderlos geblieben.

1346 Mai 2

Geza Anshelmi genannt vor dem Bilde (for dem bylde) bekennt, dass sie ihren gesamten unbeweglichen und beweglichen Besitz vor dem weltlichen Gericht an die Kirchenfabrik der Marienkirche zu Oberwesel übergeben hat, der nach ihrem Tod dieser frei zufallen wird. Zu ihrem Testamentsvollstrecker bestimmt sie Sigfried Crape, ihren Beichtvater, Verwalter der Kirchenfabrik. Mit dem wohlerhaltenen Siegel des Dekans Friedrich. (LHAK Best. 153 Nr. 7); → Zur Statue „Frau vor dem Bilde“ in Liebfrauen; →irrig Pauly, S. 337 und Korrekur der Amtszeit des Dekans Friedrich: 1345-1346.

1316 April 22

Der Dekan Johannes ist ein gebürtiger Oberweseler. In einer Urkunde, die Johann besiegelt und dessen Austeller Thilmann, Sohn des verstorbenen Syfrid von Oberwesel ist, kündigt dieser das Siegel mit Sigillum honesti viri dm Johannis decani ecclie be marie wesalien mei avunculi an. Spitzovales Dekanssiegel: Siegelbild: Maria mit dem Kind (Hennes, Urkundenbuch des Deutschen Ordens I Nr. 401); →
Die Frage nach der Herkunft des Dekans, dessen Grabplatte sich im südlichen Nebenchor von Liebfrauen erhalten hat (DI 60, Nr. 29) war bisher ungeklärt.

1305 Jan. 9

Erneuerung des Bündnisses zwischen Graf Wilhelm von Katzenelnbogen und der Stadt (Ober-)Wesel. (Demandt, Regest 461); → Aus dem Dokument geht das Engagement der Katzenelnboger in Oberwesel hervor. Ihr Wappen könnte das bisher unidentifizierte auf dem Sakramentshaus sein.
Monschauer, Winfried, Die Ausstattung.

1286 Nov.27

Abt Adolf und der Konvent von Siegburg verpflichten im Einverständnis mit Propst Reimbold von Hirzenach den Ritter Theoderich von Bleidenstadt zum Reiterdienst in der Stadt Oberwesel und belehnen ihn und seine Frau Benigna mit ihrem Hof in Oberwesel sowie bestimmten jährlichen Einkünften. (Wisplinghoff, E.: Urkundenbuch der Abtei Siegburg Nr. 174); → Aus der Identifizierung des Wappens und dem in der Urkunde genannten Namen läßt sich die in DI 60, Nr. 32 unbestimmte frühe Grabplatte aus dem Kreuzgang der Liebfrauenkirche einem Ritter Theoderich zuweisen.
 bei Nikitsch, Grabplatte 32 bezeichneten „unbekannten Laien Theoderich“.